Geschichte der Falkland-Inseln

Tabellarische Übersicht

1592 der Engländer John Davis sichtet per Zufall die Falklandinseln und nennt sie Davisinseln
1594 erneute Sichtung durch einen Engländer (Sir Richard Hawkins)
1690 John Strong (Engländer) landet auf Falkland
1764 Erste französische Siedlung auf Ostfalkland. Sie errichten den Hafen “Port Saint Louis” und nennen die Insel “Les Nouvelles Malouines”
1766 Ohne Wissen über den französischen Außenposten gründen die Engländer auf Westfalkland die Siedlung “Port Egmon”.
1769 Die Franzosen verkaufen auf päpstlichen Druck hin ihre Siedlung an die Spanier. Diese benennen sie in “Les Malvinas” um.
1770 Die Spanier besetzen den englischen Teil, räumen diesen aber auf englischen Druck hin wieder.
1774 Die Engländer ziehen sich aus Kostengründen zurück, Westfalkland bleibt aber englisch, Ostfalkland spanisch.Die Engländer stellen Anspruch auf die gesamte Inselgruppe, setzen diesen jedoch nicht durch.
1810 Argentinien wird von Spanien unabhängig. Die junge Republik erhebt Besitzanspruch auf Falkland.
1820 Im argentinischen Auftrag vertreibt ein US-Amerikaner britische Walfänger von Ostfalkland.
1826 Französische Siedlung unter argentinischer Billigung.
1831 Ein US-amerikanisches Kriegsschiff zerstört den Hafen und erklärt die Inseln zu Niemandsland.
1833 Die Briten besetzen ganz Falkland. Es gibt keinen Widerstand der USA, aber massive Proteste der Argentinier.
18331978 Knapp 150 Jahre gab es diplomatische Bemühungen der Argentinier um Rückgabe der Falklands durch Großbritannien. Diese wurden vom Vereinigten Königreich aber immer abgelehnt oder gar nicht ernst genommen.
1859 Spanien erkennt Argentinien als unabhängige Republik an, verliert aber kein Wort über Falkland.
WK I Die Falklands spielen eine geringe Bedeutung als Versorgungsstützpunkt der Briten.
WK II Hier ist die strategische Bedeutung der Falklands schon sehr viel größer.
1960er UNO-Resolution, die beide Staaten zu einer diplomatischen Lösung im Interesse der Inselbewohner anmahnt. Die Bewohner stimmten stets mit hoher Mehrheit für die Zugehörigkeit zur britischen Krone.
1971 Annäherung und Verträge über den Status und die Nutzung von Falkland (z. B. Nutzung argentinischer Schulen und Krankenhäuser auf dem Festland usw.)
1978 Aufgrund eines Missverständnisses fühlen die Argentinier sich provoziert und entsenden ein Kriegsschiff.
19801982 Erneute Gespräche, die eigentlich sehr positiv verlaufen. Alle Beteiligen äußern sich zuversichtlich, dass man bald zu einer befriedigenden Lösung für beide Seiten kommen könnte.
1981 1981 kommt der General Galtieri in Argentinien per Putsch an die Macht. Er ist die treibende Kraft hinter dem Krieg.
1982 Falklandkrieg
1998 Nach Jahren der eisigen Stille besucht wieder ein argentinischer Staatschef das Vereinigte Königreich. Man schließt eine militärische Lösung des Falklandproblemes aus.

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Die Entdeckung(en) der Inseln und die Besiedelung bis 1982

Im Jahre 1592, also knapp einhundert Jahre nach der Entdeckung Amerikas, segelte der Engländer John Davis durch den Südatlantik um Kurs auf die Magellanstraße nahm. Am 14. August entdeckte er zufällig eine Inselgruppe, der er den Namen Davisinseln gab und sie verzeichnete. Er setzte weder einen Fuß auf die Insel noch nahm er sie offiziell in Besitz. 1594 wurden die Inseln erneut von einem Engländer Sir Richard Hawkins gesehen.

1690 landete dann der Engländer John Strong auf den Falklands, erklärt sie aber auch nicht zum Besitz der Krone.

1764 gründen die Franzosen eine erste Kolonie auf Ostfalkland (“Les Nouvelles Malouines”). Sie errichten den Haften Port Saint Louis.

Unabhängig davon und wahrscheinlich auch ohne Wissen vom französischen Außenposten errichten die Engländer 1766 auf Westfalkland die Kolonie Port Egmont.

Als die Spanier von der französischen Siedlung erfahren protestieren sie unter bezug auf einen päpstlichen Erlass von 1493 (“Inter Caetera“) und den Vertrag von Tordesilla von 1494, der den Atlantik und Südamerika zwischen Spanien und Portugal aufteilt (ohne damalige Kenntnis der Struktur Südamerikas). Infolge dieses Protestes verkaufen die Franzosen ihre Kolonie an Spanien. Diese benennen die Inseln in Les Malvinas um.

Die Spanier setzen sich nun näher mit der Insel auseinander und erfahren von der englischen Anwesenheit. Sie versuchen diplomatischen Druck auf England auszuüben, welcher erfolglos bleibt. 1770 landen fünf spanische Schiffe mit über 1.400 Mann in Port Egmont. Die auf der Insel stationierten 20 englischen Soldaten kapitulieren kampflos. Nach dieser Provokation droht die englische Krone den Spaniern mit Krieg. Diese geben nach, unterzeichnen einen Rückgabevertrag über den Hafen. Die Besitzverhältnisse der übrigen Inselteile bleiben unklar.

1774 verlassen die Engländer Westfalkland aus Kostengründen, geben jedoch den Besitzanspruch nicht auf. Sie hinterlassen eine englische Flagge und eine Bleiplatte mit der Inschrift, dass die gesamte Inselgruppe zum englischen Staatsbesitz gehört. In den folgenden Jahren stören sich die Spanier auf Ostfalkland auch nicht an den englischen Walfängern in der Falklandstraße.

1810 wird Argentinien eine von Spanien unabhängige Republik (Anerkennung durch Spanien 1859). Der neue Staat erhebt Anspruch auf Rechtsnachfolge für die spanischen Gebietsansprüche über die Falklands.

1820 entsandten die Argentinier einen in ihren Diensten stehenden Amerikaner, um die Falkland-Inseln in Besitz zu nehmen. Dabei vertrieb er 30 britische Walfänger von Ostfalkland.

Mit Zustimmung der Argentinier errichtet 1826 ein Franzose auf Falkland eine Siedlung. Er erhält die Verwaltungshoheit und setzt diese auch gegen Ausländer durch. Infolge dessen kommt es zur Vertreibung von US-amerikanischen Schiffen. 1831 entsenden die USA daraufhin ein Kriegsschiff nach Falkland. Dieses zerstört den Hafen, nimmt argentinische Staatsbürger gefangen und die USA erklären Falkland zum Niemandsland. Die Gründe für das Eingreifen der USA liegen vor allem in der Monroe-Doktrin, nach der die USA sich als eine gesamtamerikanische Nation sehen und den Doppelkontinent als ihr Einflussgebiet definieren.

Seltsamerweise setzen die USA diese Doktrin nicht durch, als 1833 die Engländer die Insel besetzen und wieder in Besitz nehmen. Durch das britische Parlament wird ein Gesetz verabschiedet, in dem die Falklands offiziell unter britische Verwaltung gestellt wird und die Hauptstadt nach Port Stanley verlagert wird.

Seit dieser Zeit bemüht sich Argentinien um eine diplomatische Lösung des Falklandproblemes und eine Rückgabe an Argentinien. Dies wurde von den Briten stets großzügig übergangen.

Dann wurde es ruhig um die Falklandinseln und erst im Weltkrieg I wurden sie wieder kurz ins öffentliche Interesse gerückt. 1914 versuchten deutsche Schiffe unter Vizeadmiral Graf von Spee die Inseln einzunehmen. Sie stießen jedoch auf unerwartet hohen Widerstand der Briten und die meisten deutschen Schiffe wurden zerstört.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurden die Inseln als Stützpunkt ausgebaut und mit Treibstofftanks und einem Schwimmdeck versehen.

Im Weltkrieg II gab es auf den Inseln (englischer Marine-Stützpunkt) keine besonderen Vorkommnisse.

Die Zuspitzung der Krise

Nachdem die Argentinier seit 1833 jährlich gegen die englische Besetzung der Falklands protestieren, steuern sie nach dem Ende des 2. Weltkrieges politisch gegen England. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gelingt es ihnen, eine UN-Resolution (Nr. 2065) herbeizuführen, die Großbritannien und Argentinien auffordert, eine diplomatische Lösung im Interesse der Einwohner der Falklandinseln zu finden. Die Einwohner waren zu dieser Zeit fast alle Briten, so dass deren Interesse wohl klar war, nämlich die Zugehörigkeit zum Königreich.

Danach kam es zu vereinzelten Aktionen von extremistischen Argentiniern, z. B. einer Flugzeugentführung oder dem Versuch einer Flugblattaktion, die alle lächerlich scheiterten und von den Falkländern auch sehr kühl aufgenommen wurden.

1971 gibt es Verhandlungen in Buenos Aires. Diese münden in Regelungen über Post, Luft- und Seeverbindungen und die Nutzung argentinischer Schulen und Krankenhäuser. Argentinien errichtet einen Flughafen bei Port Stanley, der von Großbritannien finanziert wird.

1978 fühlt sich die amtierende Militär-Chunta in Argentinien durch eine britische Studie über Falkland provoziert und entsenden ein Kriegsschiff. Der amtierende Militärchef muss sich profilieren und so scheitern auch weitere Verhandlungen an der Kompromisslosigkeit Argentiniens.

Im Dezember 1981 erringt General Galtieri die Macht und plant schon zu diesem Zeitpunkt einen Blitzkrieg um die Falklands. Die Vorbereitungen beginnen im Januar 1982 und gehen einher mit einer Schürung der Forderung der “Befreiung der Malvinas” in der Öffentlichkeit. Auch auf politischer Ebene versichert man sich der Hilfe oder zumindest Neutralität der anderen lateinamerikanischen Staaten.

Großbritannien wartet gelassen ab und glaubt nicht, dass Argentinien sich wirklich traut, militärisch zuzuschlagen. Zu Kriegsbeginn befinden sich auf den Falklands 81 britische Soldaten (zur Hälfte unbewaffnet) und ein Kreuzer.

Argentinien fühlt sich bereit für den Krieg. Nun benötigt man noch einen Grund. Am 22.03.1982 landen argentinische Truppen auf Südgeorgien (eine Insel im britischen Besitz, die zum Hoheitsgebiet der Falklands gehörte) unter der Maßgabe, einen Alteisenhändler beschützen zu wollen, der dort (laut einem Vertrag mit Großbritannien) eine alte Fabrik recyceln sollte.

Falklandkrieg

siehe Artikel zum Falklandkrieg

Die Entwicklung nach 1982

Im Oktober 1985 wurden die Gebiete von Südgeorgien und die “South Sandwich Islands” aus dem Hoheitsgebiet von Falkland gelöst und sind seitdem selbstständige “Dependent Territories”. In Folge des Krieges existiert nun eine britische Garnison mit 500 Soldaten und eigenem See- und Luftgerät.

Nach dem Ende des Krieges herrschte erst eisiges Schweigen. Im Rahmen der allgemeinen weltpolitischen Entspannung 1990 begannen sich die Beziehungen wieder zu normalisieren.

Am 02.11.1998 fand der erste Staatsbesuch eines argentinisches Staatschefs nach dem Krieg im Vereinigten Königreich statt. Tony Blair empfing Carlos Menem. Der Besuch lief gut ab und hatte neben Kooperationen im Handelsbereich auch eine Einigung zur folge, dass man den Falklandkonflikt auf jeden Fall ohne militärische Mittel lösen wolle.

Im August 2001 reiste der amtierende britische Premier Tony Blair in die Region.

Im Juli 2002 setzte sich die argentinische Justiz mit ihrer Vergangenheit auseinander. Gegen den ehemaligen Diktator General Leopoldo Galtieri und 30 Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes wurde Haftbefehl erlassen. Galtieri war bereits nach dem Sturz der Militär-Junta in Haft gewesen, dann jedoch amnestiert worden. Diese Amnestie – so die argentinische Justiz – verstosse jedoch gegen die Verfassung.

Ende 2003 kam neuer Wirbel auf, als in Großbritannien Gerüchte laut wurden, britische Schiffe hätten im Krieg auch Atomwaffen an Bord gehabt.

n-tv.de meldete hierzu am 06.12.03:

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in London bestätigte Medienberichte, wonach britische Kriegsschiffe auf ihrem Weg zum Falkland-Krieg Atomwaffen an Bord hatten. Dabei habe es sich um Waffen zur U-Boot-Abwehr gehandelt. Ihr Einsatz habe jedoch nie zur Debatte gestanden, beteuerte der Sprecher.

Vor Auslaufen der Schiffe sei der Befehl gegeben worden, diese Waffen nicht einzusetzen. Die Raketen seien an Bord einiger Schiffe geblieben, weil es zu viel Zeit gekostet hätte, sie zu entladen und die Schiffe möglichst schnell ihr Zielgebiet erreichen sollten. Die Atomwaffen seien während der Reise auf andere Schiffe verladen und nach Großbritannien zurückgebracht worden – sie hätten nie südamerikanische Gewässer erreicht.

 

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